17.02.2025 / Auf der Couch mit... Design mit klarer Haltung

Leo Lübke über die Möbel von COR

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Bei seinem Besuch in unserem Einrichtungshaus sprach Dominik Sengfelder mit Leo Lübke über die Möbelbranche und das, was sie ausmacht: die Möbel als Produkt. In seiner Rolle als Geschäftsführer des Premiumherstellers COR erklärte Leo Lübke, welches Thema und welche COR Möbel ihm besonders am Herzen liegen und wie der Kunde das spüren kann. Ein Gespräch zwischen Hersteller und Händler.

DS: Ihre COR Sitzmöbel zeichnen sich schon immer aus durch eine hohe optische Qualität. Sie sind langlebig, nachhaltig, immer schön – wo und wie lassen Sie Trends einfließen?

LL: Offen gestanden lassen wir Trends nicht bewusst einfließen. Unser Ziel ist es, dass unsere Produkte als COR-Möbel wiedererkannt werden. Dafür wollen wir unseren eigenen Stil verfeinern. Am Anfang einer Entwicklung steht die Entscheidung für bestimmte Designerinnen und Designer, deren „Handschrift“ wir sehr schätzen und die perfekt zu unserer Idee von Gestaltung passen.

Leo Lübke

“Langlebigkeit, höchste Qualität und beste Herstellung sind eine Frage der Handwerker-Ehre."

DS: Und auch durchwegs nachhaltig – es ist bekannt, dass Sie persönlich höchsten Anspruch darauf legen. Im Sommer 2024 erhielt das Second-Life Programm „CORever“ den Deutschen Award für Nachhaltigkeitsprojekte. Was macht COR anders -und offensichtlich besser- wenn es um nachhaltige Möbelproduktion geht?

LL: COR setzt seit der Gründung 1954 auf Langlebigkeit und hohe Qualität. Anfangs war es nicht zuletzt eine Frage der Handwerker-Ehre, unsere Möbel bestmöglich herzustellen.
Erst in den späten 80-er Jahren ist uns klar geworden, dass Langlebigkeit die Voraussetzung für nachhaltige Produkte ist. Auch die vollstufige Produktion an unserem Standort in Rheda-Wiedenbrück ist in Hinblick auf den Umweltschutz vorteilhaft, denn die Nähe aller Abteilungen zueinander hat kurze Transportwege zur Folge.
1996 hat COR zum ersten Mal beim Öko-Audit teilgenommen. Seit vielen Jahren haben wir für alle Produkte der Kollektion den Blauen Engel und sind als Co-2-neutrales Unternehmen zertifiziert.
Nachhaltiges Handeln ist Teil unserer Unternehmenskultur. Unabhängig vom öffentlichen Interesse, das schwankend ist, bemühen wir uns kontinuierlich darum, unseren ökologischen Fußabdruck möglichst gering zu halten.

DS: Was genau steckt hinter dem Programm CORever?

LL: Viele Menschen, die sich neu einrichten, wissen häufig nicht, was sie mit ihren alten Möbeln machen sollen. Nach Gesprächen mit dem Handel ist uns klar geworden, dass viele Alt-Möbel entsorgt werden, obwohl sie in vielen Fällen noch brauchbar sind.
Um zu verhindern, dass diese Möbel entsorgt werden, haben wir mit CORever ein System zur „Sperrmüllrettung“ entwickelt. Anstatt dass der Handel die Möbel entsorgt, holt unsere Spedition sie im Lager unserer Handelspartner ab und bringt sie zu COR. Dort werden sie im besten Falle nur gereinigt. Sollte der Stoff verschlissen sein, werden die Möbel neu bezogen und in einigen Fällen sogar neu aufgepolstert. Sollten die Möbel nicht mehr zu retten sein, werden die Materialien sortenrein getrennt und entsorgt.
Der Verkauf der aufgearbeiteten Polstermöbel erfolgt innerhalb unserer quartalsweise stattfindenden Werksverkäufe.

DS: Wir bieten hier in unserem Einrichtungshaus unseren Kunden auch den Service jedes Polstermöbel wieder aufpolstern oder neu beziehen zu lassen. Genau diese wirklich gelebte Nachhaltigkeit schätzen unsere Kunden. Aber wenn Altes wieder zu Neuem werden kann, wie viel Neues muss dann in Neuem stecken? Was sehen Sie als Innovationen oder Trends?

LL: Die Möbelbranche ist nicht geprägt von technischen Innovationen. Vielmehr setzen wir uns mit sich verändernden Wohn-Gewohnheiten auseinander. Die Grundrisse in den Häusern sind offener geworden. Küche, Essraum und Wohnraum verschmelzen. Man trifft sich am Esstisch und verweilt dort viel länger als früher. Deshalb müssen die Stühle komfortabler konstruiert sein, um die Aufenthaltsqualität zu verbessern. Die Sofas haben sich zu Rückzugsmöbeln entwickelt. Man sitzt sich dort nicht mehr aufrecht gegenüber, sondern entspannt sich zum Lesen, Fernsehen, und Surfen im Web in lässig halb-liegender Position.
Es sollte nicht verschwiegen werden, dass Möbel natürlich auch Trends unterliegen. Allerdings sind diese lange nicht so schnelllebig wie in der Mode. Aufgabe der Möbelhersteller ist es, nicht kurzfristigen Moden auf den Leim zu gehen, sondern langfristige Trends und das Lebensgefühl einer Generation zu reflektieren.

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DS: Dennoch muss jedes Möbel auch einen gewissen Zeitgeist treffen und sich von anderen Möbeln abheben. Bei den COR-Reihen Conseta, Trio, Siwa - welche Idee steckt dahinter, dass sie so unterschiedlich sind? Wie läuft zum Beispiel bei Siwa eine Kooperation mit dem Designstudio Altherr Désile Park? Geht COR mit einer Idee zum Studio oder kommt das Studio zu COR mit einer Idee einer Couch die dann SIWA heißt und an eine Oase erinnern soll?

LL: Conseta war 1964 eine echte Innovation, weil es das erste Elementmöbel-Programm auf dem Markt war. Es konnte werkzeuglos zusammengebaut werden, wodurch das Umgruppieren der Module und ein Umzug recht einfach war.

Bei Trio sind wir 1973 einen Schritt weiter gegangen und haben die Sitzelemente von den Rückenelementen getrennt. Dadurch ergeben sich die vielfältigsten Aufbaumöglichkeiten. Weil die Elemente ohne jegliche Mechanik zusammengestellt werden, ist das Umstellen der Elemente spielend leicht. Auf der Rückseite der Rückenpolster wird bis heute ein Ski-Fell eingenäht, damit die Lehnen auf dem Sitzpolster trotz loser Auflage nicht verrutschen.

Siwa ist das erste konsequent organische Modell innerhalb der COR-Kollektion.
Die Grundform ist durch die Rundungen sehr sinnlich, aber gleichzeitig ist die Gestaltung schnörkellos und daher nicht modisch.
Siwa ist wie eine Plastik im Raum, die rechteckige Räume aufbricht und einen spannenden Kontrast dazu herstellt.

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Unsere Strategie ist es, mit Designern und Designerinnen sehr langfristig zusammenzuarbeiten. Wir schauen, wer gut zu uns passt und wem wir zutrauen, eigenständige, interessante und erfolgreiche Produkte für uns zu gestalten.
Jehs+Laub aus Stuttgart sind dafür das beste Beispiel. Wir arbeiten bereits seit mehr als 15 Jahren zusammen. In dieser Zeit haben die Beiden einige Erfolgsmodelle für COR entwickelt. Jehs+Laub kennen unsere Produktionsmöglichkeiten und unseren Markt mittlerweile sehr genau. Dadurch können sie noch gezielter und ohne Reibungsverluste für uns arbeiten.

Die Zusammenarbeit mit ADP, aus der SIWA hervorgegangen ist, ist noch sehr frisch. Wir sind von dem Büro aus Barcelona sehr angetan und hoffen auf eine lange und fruchtbarere Zusammenarbeit.
Dem Entwurf von SIWA ist ein Briefing von COR vorausgegangen. Unser Auftrag war, ein organisches Programm zu entwerfen, das in vielfältiger Weise zu nutzen ist.
Von dem Ergebnis und auch dem Echo aus der Kundschaft sind wir sehr begeistert!

In der Regel geben wir Briefings an Designer, in denen wir die Anforderungen an ein neu zu entwerfendes Programm definieren. Nur in sehr seltenen Fällen kommt es vor, dass fremde Designer mit einem fertigen Entwurf auf uns zukommen, der so perfekt zu uns passt, dass wir ihn umsetzen. Wenn hingegen Designer wie Jehs + Laub uns proaktiv einen Entwurf ohne Briefing präsentieren, ist die Wahrscheinlichkeit der Umsetzung wesentlich höher.

DS: Denken Sie immer direkt -wie bei JALIS oder NOOK- passende Möbel wie Beistelltische mit, wenn Sie eine Couch im Kopf haben, oder ist das ein Prozess in einzelnen Stufen?

LL: Die Prozesse laufen bei jeder Produktentwicklung etwas anders ab.
Manchmal sind passende Couchtische fester Bestandteil eines Designs. Das ist dann Gestaltung aus einem Guss.
Weil wir bereits eine große Bandbreite an universell einsetzbaren Beistelltischen haben, ist es manchmal gar nicht nötig, passende Beimöbel zu einem neuen Programm zu entwickeln.

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DS: Nochmals zu Trends und Zeitgeist: Bei den internationalen Möbelmessen traf man zuletzt vermehrt auf weiche, runde, kuschelige Möbel – eben auch sichtbar bei der Serie SIWA. Wird in turbulenten Zeiten der Wunsch nach mehr Geborgenheit auch in Möbeln sichtbar?

LL: Wie stark der Zusammenhang zwischen der unsicheren Weltlage und dem Aufkommen weicher runder Formen ist, kann ich nur schwer beurteilen. Natürlich finden gesellschaftliche Veränderungen und Stimmungslagen bei der Art der Einrichtung ihren Ausdruck. In erster Linie ist die Einrichtung aber der Spiegel der eigenen Persönlichkeit und ich finde, wir sollten die Kundinnen und Kunden darin bestärken, sich ganz persönlich und individuell einzurichten und die eigenen Wohnbedürfnisse zu ergründen.
Der Trend zu runden und weichen Formen ist aus meiner Sicht auch auf veränderte Sitzgewohnheiten zurückzuführen. Das Sofa ist heute ein Rückzugsmöbel zum lässigen Sitzen und Halbliegen. Dieses Sitzgefühl wird mit organischen Formen sehr gut transportiert.
Außerdem sind plastische Formen noch recht selten in Wohnräumen anzutreffen. Das Neue wirkt immer interessant, frisch und begehrenswert.

DS: Wir stellen fest, dass viele unserer Kunden Ihren Klassiker TRIO kennen. Gibt es ein Möbelstück von COR, das für Sie eine besondere Bedeutung hat? Wenn ja, warum?

LL: Mit allen Modellen von COR verbinde ich eine besondere Geschichte. Deshalb liegt mir jedes Programm am Herzen!
Für die Markenprägung von COR spielen neben TRIO auch CONSETA und SINUS eine große Rolle, weil sie alle schon lange erfolgreich auf dem Markt sind und zu Klassikern gereift sind. In jüngerer Vergangenheit ist die Modell-Familie JALIS zu nennen. Das Modell ist sehr komfortabel, hat eine archetypische Kissen-Form und ist so reduziert, dass es das Zeug zum Klassiker hat!

DS: Zum Abschluss: Wenn Sie Aufgabe von Möbelherstellern in einem Satz zusammenfassen müssten, was würden Sie sagen?

LL: Wir gestalten die dritte Haut des Menschen!

Möbel sind weit mehr als reine Gebrauchsgegenstände – sie prägen Räume, schaffen Atmosphäre und begleiten uns. Sie sind der Ort, an dem wir zur Ruhe kommen, gemeinsam Zeit verbringen und Erinnerungen entstehen. Gerade deshalb müssen sie nicht nur ästhetisch überzeugen, sondern auch Wärme, Komfort und Beständigkeit ausstrahlen – sie müssen ein Gefühl geben, das berührt. Das Gefühl von Zuhause.

Entdecken Sie in bei uns die unterschiedlichen COR-Serien und fühlen Sie selbst.

Lesen Sie hier in unserem Magazin wie Leo Lübke über die Möbelbranche und über seine Aufgaben als Präsident des Verbands der Deutschen Möbelindustrie denkt.